Gujarat: Safari, Tempel und ein wenig Dekadenz

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Verkehr
per Fahrrad
Transit

Zu Heiligabend haben wir Varanasi verlassen und sind in den Bundesstaat Gujarat geflogen. Dort leisteten wir uns ein wenig westliche Dekadenz, die sich aber echt gelohnt hat.

In Varanasi haben wir telefonisch in Ahmedabad ein Auto mit Fahrer vorbestellt. Fuer die Halbinsel, auf der Gujarat liegt, hatten wir nur vier Tage eingeplant, und mit Zug/Bus waere das kaum zu machen gewesen … Mal davon abgesehen, dass der Fahrer zu spaet kam und kaum Englisch sprach, war es eine super Idee, zumal der Preis fuer unsere Verhaeltnisse echt ein Witz war (etwa 120 Euro).

Zuerst ging es nach Sasan-Gir in den gleichnamigen Nationalpark. Dort hatten wir fuer den Morgen (6:30) die erste Safari geplant. Es war arg kalt und die Chancen, einen asiatischen Loewen zu sehen, die nur noch dort vorkommen, waren eh gering. Trotzdem war es recht witzig, zwei Englaender waren mit dabei, die sogar schon Glueck gehabt hatten und ein bisschen haben wir trotzdem gesehen: Axishirsche, Sambars, Adler und Geier, Mungos, einen Schakal und so, also eher Kleinvieh, trotzdem echt schick. Unser Fuehrerschlumpf war aber nicht besonders hilfreich und immer hiess es, dass gestern erst ein Loewe dort und dort gewesen sei 😉

Gerissener Axishirsch
Gerissener Axishirsch

 

Schicke Kuh
Schicke Kuh

Am Nachmittag haben wir uns kurzentschlossen fuer eine Fahrt an einen See entschlossen, an dem es Krokodile geben soll. Die Fahrt zum See dauerte doch etwas, zumal wir zwischendurch noch eine Reifenpanne hatten. Vor Ort wurden wir aber nicht enttaeuscht: Zuerst eine schon fast gefressene Kuh, und danach drei Krokodile. Eines liess uns sogar halbwegs an sich ran kommen, fauchte aber deutlich, als es zu viel wurde.

Reifenpanne (hinten links)
Reifenpanne (hinten links)

 

Tierkadaver
Tierkadaver

 

Wir und Kroko ;)
Wir und Kroko 😉

Am Abend ging es dann nach Palitana. Dort stand gleich am fruehen Morgen der 3000 Stufen lange Anstieg zur Spitze des Berges Shatrunjaya an, einem der vier heiligen Berge der Jains. Nicht nur lockte uns die Aussicht, die Dank mittlerweile bombastischen Wetters (manchmal etwas diesig, sonst aber Sonnenschein und 30 Grad) echt super war, sondern auch die angeblich ueber tausend Tempel. Nachdem wir Schuhe und Rucksaecke los waren (sowas wird sehr ungern in den Tempeln gesehen, bei den Jains ist sogar jede Art von Leder verboten zu tragen, und man muss einen sauberen Mund haben, und Frauen in der Menstruation duerfen in der Regel auch nicht rein). Neben etlichen Pilgern waren anscheinend auch viele indische Touristen da, die das Ganze zu einem bunten und lauten Treiben ausarten liessen. Davor haben wir lieber reissaus genommen und sind auf die Daecher der Tempel geklettert (eine der zahlreichen indischen, recht komischen Regeln: Tempel darf man beklettern, Mauern ist streng verboten!). Dadurch hatten wir einen super Ueberblick und konnten viele Details der fein gearbeiteten Bauten anschauen – echt super!

Jain auf Pilgerfahrt
Jain auf Pilgerfahrt

 

Bunte Strassenbemalung
Bunte Strassenbemalung

 

Shatrunjaya mit hunderten Tempeln
Shatrunjaya mit hunderten Tempeln

Nach diesem anstrengenden Tag brach dann schon der vorletzte Tag in Gujarat an. Der Weg nach Ahmedabad fuehrte uns nach Lothal, einem Ort der Industalkultur. Obwohl etwas ab vom Schuss, gab es hier trotzdem Touristen (wenn auch Einheimische) und ein kleines, aber gar nicht so schlechtes Museum (auch wenn wir mal wieder nicht fotofieren durften :(). In Lothal gab es einen Hafen in Form ein grossen Beckens, dass anscheinend vom Wasserstand des Flusses unabhaengig war. Sonst gab es nicht allzu viel zu sehen, da bis auf Grundmauern kaum noch was erhalten war.

Schrift der Harapper (Lothal) im Fenstergitter
Schrift der Harapper (Lothal) im Fenstergitter

 

Hafenbecken
Hafenbecken

Am spaeten Nachmittag erreichten wir Ahmedabad wieder (leider war das Hotel diesmal eher baeh), und da mit dem Tag nicht mehr viel anzufangen war, beschlossen wir, nach dem Abendbrot noch ins Kino zu gehen. Seit dem wir hier sind, laeuft „Rab ne bana di Jodi“ hier in den Kinos, natuerlich mit Sharukh Khan in der Hauptrolle. Zuerst waren wir aber anscheinend die Attraktion, da die Inder es wohl nicht gewohnt sind, dass Touristen in Hindifilme gehen. Und das Kino war ein Erlebnis – die Inder sind der Ordnung ja teilweise nicht sehr zugetan, entsprechend sahen die Plaetze aus, in die Spaetvorstellung kurz vor zehn kamen auch noch viele kleine Kinder mit, und natuerlich bleibt man waehrend des Films nicht still 😉 Auch wenn wir von der Sprache nichts verstanden haben (Ela ab und zu mal einen Brocken), war es doch einfach, der Story zu folgen und die Musik war toll.

Im Kino mit Filmplakat
Im Kino mit Filmplakat

Am naechsten Tag wollten wir uns noch ein wenig die Stadt anschauen, bevor es dann abends mit den Zug nach Mumbai gehen sollte.

Neben der Jamma Masjid und einigen schicken Tempeln waren vor allem die Schilder echt schraeg (ein Laden hiess „Bombay Dyeing“ ;)). Und es gibt ganze Viertel, wo die Leute Briefe fuer andere Leute auf Schreibmaschine tippen – wie praktisch. Und an vielen Stellen der Stadt wurden Drachenschnuere pink gefaerbt. Besonders in Ahmedabad wird naemlich am 14. Januar der International Kite Day gefeiert.

Der CCC
Der CCC

 

Sonnenaufgang in Ahmedabad
Sonnenaufgang in Ahmedabad

 

Jamma Masjid
Jamma Masjid

 

Kriegsbemalung mit Henna
Kriegsbemalung mit Henna

Der Zug war sogar puenktlich und in Mumbai hatten wir nur eine viertel Stunde Verspaetung. Somit konnten wir den heutigen Tag noch gut nutzen, uns vorallem die englischen Kolonialbauten in der Stadt anzuschauen. Leider ist die Stadt seit den Anschlaegen etwas paranoid, nirgends darf man mehr hin. Das Gateway of India ist abgesperrt, zum Hotel Taj kommt man auch nicht, selbst in die Synagoge liessen sie uns nicht. Dafuer ist die Stadt ueberrasschend ruhig, was zum Teil der voelligen Abwesenheit von Tuktuks geschuldet ist, und in etwas teurere Taxifahrten muendet. Und wir haben ein bisschen geschoppt, 2 CDs fuer zusammen 5 Euro hat sich jeder gegoennt, natuerlich Bollywoodmusik 🙂

Victoria Terminus (CST)
Victoria Terminus (CST)

 

Prinz-Albert-Museum
Prinz-Albert-Museum

Morgen geht es auf die Elefanteninsel mit ihren Hoehlen und dann ist ja schon fast Jahreswechsel.

Viele Gruesse aus Mumbai und einen guten Rutsch ins neue Jahr,

Chris

CC BY-NC-SA 4.0 Gujarat: Safari, Tempel und ein wenig Dekadenz von Christian Gierds ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

5 Gedanken zu „Gujarat: Safari, Tempel und ein wenig Dekadenz“

  1. Hallo Ihr „ein wenig dekadenten“ Krokojäger,

    gut habe ich das richtig verstanden ihr habt beim shopping cd´s aus krokoleder mit bollywoodmusik gekauft. Aber ihr könnt das leider nicht mitbringen, weil ihr die cd´s beim reifenwechsel als radkappen einsetzen musstet. Der wahre wahnsinn.

    Ihr merkt bei mir ist der Verstand eingefroren. Denn wir haben leider nicht so ein schönes warmes Wetter. Auch am Tag liegen die Temperaturen nur unter Null Grad.

    Am Sonntag war klein Paula mit Anhang bei uns zu Besuch. War ganz spannend. Ich glaube sie will auch Fotomodell werden. Nur für Bollywood konnte ich sie noch nicht überreden.

    Zur Lage in Mumbai habe ich Euch ja schon geschrieben, was wir hier so gehört haben. Das ist ja identisch mit Euren Eindrücken. Die letzten Nachrichten sind, dass die Pakistanie an den Grenzen zu Indien Truppen konzentrieren sollen. Also passt schön auf Euch auf und verbringt euren Urlaub weiterhin gut und mit vielen weiteren unvergesslichen Eindrücken.

    Ja, das Jahr geht nun zu Ende und auch wir wünschen Euch alles Gute zum Jahreswechsel. Mögen alle Eure Träume und Wünsche in Erfüllung gehen. Wir werden in Gedanken bei Euch sein und mit Euch anstoßen.

    Bleibt gesund und munter

    Ich-AG und B-Treff

  2. Hallo Chris,
    also Deine Aus-Versehen-Wortspiele sind göttlich:“Frauen in der Menstruation duerfen in der Regel auch nicht rein“. Ach echt? 😉
    Naja… sonst hast Du aber wirklich schöne Bilder eingestellt, offenbar hat sich inzwischen ja der Nebel verzogen und Ihr beiden habt wieder klares Wetter, ja?
    Über die politsche Lage kann ich mich leider nicht äußern, habe die nicht so verfolgt, wie meine Vorschreiber. Trotzdem: passt auf euch auf und so, macht Ihr aber sowieso, denke ich.

    Bis bald, habt einen geruhsamen Jahreswechsel, hier wackeln bald die Wände, wenn sich das exponentiell steigern sollte

    xi

  3. Hallo ihr Zwei!
    Ich wünsche euch ein frohes und erfolgreiches neues Jahr. Und vor allem: Ich wünsche euch noch weiterhin viel Spaß auf eurer Reise.
    Wie ich sehe habr ihr schon so einiges erlebt und bis jetzt hattet ihr viel Spaß 😉
    Also passt schön auf euch auf und kommt ja bald wieder 😉

    Viele Grüße
    Jan

  4. Hallo Chrisi, Ela und Anhang,

    wir hoffen, Ihr seid gesund und munter (oder doch schon im Halbschlaf) ins neue Jahr hineingerutscht.

    Da wir außer Haus Silvester gefeiert haben, wollten wir Euch ohnehin vor unserem Abmarsch noch anrufen. Und dann konnten wir sogar noch in Elas Blog Eure neuesten Erlebnisse nachlesen. Und da anklang, dass Ihr müde seid, haben wir uns doch lieber gleich noch gemeldet, wenn auch etwas verfrüht. Habt Ihr denn den Jahreswechsel in Mumbai noch mit wachem Geist erlebt? Womit stößt man in Indien auf das neue Jahr an?

    Hier wurden wie immer mit viel Feuerwerk und Getöse die bösen Geister vertrieben. Und so hoffen wir, dass auch Ihr beim Weiterreisen nur auf gute Geister trefft.

    Die letzten Tage waren sonnig und frostig, aber heute am 1. Tag des neuen Jahres fiel ein wenig Schnee wie Puderzucker. Habt Ihr weiterhin 30 Grad?

    Liebe Grüße senden Euch beiden

    Ich-AG und B-Treff

  5. Na ihr Lieben!
    Ebenfalls ein schönes Neues Jahr 2009. Das Jahr hat wunderbar mit Schnee angefangen und es soll wohl eine Kältewelle auf Deutschland zukommen. Na mal sehen. Nicht das Eure braunen Nasen im Februar erfrieren wenn Ihr ankommt.
    Morgen geht für uns alle wieder der Alltag los. Wir beneiden Euch!
    Viele interessante Tage noch.
    Hilde+Hagi

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