Tempel, Tempel und ein wenig Strand :)

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Die letzten Tage in Indien verbringen wir hauptsaechlich mit dem Bestaunen von unterschiedlichen Tempelbauten, die hier im Bundesstaat Tamil Nadu zum Glueck wieder die ueberhand ueber christlichen Kirchen haben.

Diesen Eintrag werde ich wohl kaum Bilder hinzufuegen koennen, werde es aber noch nachholen in einem naechsten.

Die letzten Tage bestehen aus einem recht regelmaessigen Muster: Wir kommen abends in einer Stadt an, suchen das/ein Hotel (meist „das“, da wir wieder mehr Glueck mit dem Reservieren hatten). Entweder essen wir noch kurz was, meist geht es gleich ins Bett. Morgens dann zeitig raus, Tempel und Stadt anschauen, vor der Weiterfahrt noch was Essen, und dann abends mit dem Bus in die naechste Stadt. Das viele Busfahren ist zwar etwas anstrengend, zumal die Busse selten puenktlich sind, laenger brauchen als gesagt und wir immer nicht so recht wissen, wo wir unsere Rucksaecke lassen sollen, weil es fuer diese keinen wirklichen Platz gibt und die Busse oft so voll sind, dass jeder Sitzplatz gebraucht wird.

So, das Wichtigste auf dem letzten Teilstueck unserer Reise sind die Hinduistischen Tempel im Dravidischen Stil (typisch Suedindisch). Ein Tempel besteht hier aus dem Hauptschrein, dem in der Regel eine Eingangshalle, ein sogenanntes Mandapa vorgelagert ist (trotz aller Offenheit ist hier fuer Nicht-Hindus leider oft Schluss und die schoenen Schreine mit ihren Statuen bleiben uns vorenthalten). Umgeben ist das Sanctum von mindestestens einer, oft aber auch von mehreren Mauern. Die Eingaenge bilden sogenannt Gopurams, grosse Tuerme, die in mehreren Etagen angelegt sind, und oft Pilaster, Fratzen, Goetterbilder (oder eine Auswahl davon) zeigen, und wahlweise einfarbig oder superschick bunt sind. Mit bis zu 70 Meter Hoehe sind sie meist schon weit her sichtbar und bilden den imposantesten Teil der Tempelanlage. Mitdrin gibt es dann oft noch andere Hallen (Tanzen, Heiraten, Essen etc.) und Staende usw. sodass richtig Leben in den Tempel kommt.

In Tanjore war es jedoch der Tempelturm ueber dem Hauptschrein das alles ueberragende Gebilde, der die Gopurams ueberragt hat. Trotz aller Theorie geht es auch immer wieder etwas anders, sodass wir in jedem Tempel bis jetzt was anderes gesehen haben.

Tempelturm in Tanjore
Tempelturm in Tanjore

In Chidambaram war es aber gar nicht so sehr der huebsche Tempel und die dort abgehaltene Puja (Art Gottesdienst), sondern unser Ausflug nach Pichavaram, der uns an diesem Tag am besten gefallen hat. Das kleine Nest liegt kurz hinter der Kueste und ein Netz von Salzwasserkanaelen zieht sich durchs Hinterland, sodass es dort Mangroven und viele schoene Voegel gibt. Besonders toll fand ich die Graufischer, die auf unser Ruderbootstour lange warteten, bis sie davon flogen.

Bunter Gopuram im Chidambaram
Bunter Gopuram im ChidambaramRepulic Day – haben wir kaum wahrgenommen

Pondicherry war dann noch mal etwas anders. Man merkte dem Ort an, dass die Franzosen hier lange das sagen hatten. Besonders in der Naehe des Strandes konnte man fast vergessen, in Indien zu sein. Entsprechend gab es dort auch wieder eher Kirchen als Tempel. Auch die Restaurantszene bot viel Europaeisches, trotzdem waren wir schick indisch Essen, schliesslich wollte Ela gern noch Fisch oder Garnelen, schliesslich waren wir am Meer 🙂 Und da es in Pondicherry nicht allzu viel zu sehen gab, sind wir in die Naehe von Auroville (einem Ashram, in dem die Lehren von Sri Aurobindo gelehrt werden) gefahren. Die Wellen dort waren ganz ordentlich, aber es hat unglaublich Spass gemacht. Zumal es einfach toll ist, im Januar, also mitten im Winter im Meer zu baden! *g*

Gandistatue in Pondicherry im Franzoesischen Viertel
Gandistatue in Pondicherry im Franzoesischen Viertel

Ein ganz ordentliches Programm hatten wir uns fuer Tiruvannamalai vorgenommen. Dort gibt es nur einen grossen Tempel, mit entsprechend grossen, aber einfarbigen Gopurams. Wenigstens die kleinen Nebenschreine und Daecher im Inneren waren bemalt, und wir erhielten ein Segnung vom Tempelelefanten und konnten wieder einer Puja beiwohnen (echt interessant: dabei werden die Goetter erst geweckt, sodass sie in die Statuen einfahren, diese werden dann gewaschen, gekleidet und „parfuermiert“ [mit Oelen uebergossen], um sie gnaedig zu stimmen und Wuensche erfuellt zu bekommen ;)).
Anschliessend wollten wir dann die 800 Meter hohen Arunachala besteigen, der Berg, dessen Namen auch der Tempel traegt und auf dem sich Shiva einst als Feuersaeule gezeigt haben soll. Anlaesslich dieser Legende wir auf der Bergspitze einmal im Jahr ein riesiges Feuer entzuendet.
Der Weg nach oben war nicht einfach, schnell ging es nur noch ueber Felsen in steilem Winkel nach oben. Die Sonne versteckte sich oft hinter einer Wolke, allerdings war die Luftfeuchtigkeit extrem hoch, sodass wir bald ohne Ende schwitzten, etliche Trinkpausen einlegen mussten und heilfroh waren, als wir nach ein und einer dreiviertel Stunde endlich oben waren. Die Spitze ist vom jaehrlichen Feuer total schwarz und schmierig, dafuer hat man einen genialen Ausblick (wofuer sich der Aufstieg echt gelohnt hat), und ein Moench/Priester zeigte uns noch ein schattiges Plaetzchen, an dem wir uns ausruhen und meditieren konnten 🙂 Der Abstieg ging etwas schneller, war aber auch nicht ganz einfach, da wir bei den Felsen etwas aufpassen mussten, wo wir hintreten. Und als wir unten waren, hatten wir fast vier Liter Wasser in den vorangegangen vier Stunden getrunken *uff*

Der gestrige Tag in Mamalapuram begann am Strand, die Sonne war gerade aufgestanden und wir schauten uns den Strandtempel an, der frueher direkt am Meer gestanden hatte, dann aber zum Schutz ein Stueck zurueck gesetzt wurde. Das Licht und die Atmosphaere waren toll, zumal Mamalapuram selbst fuer unsere Verhaeltnisse mal ein kleines Nest war und mit den vielen Touristen einen ruhigen Eindruck macht (wir hatten einer der ruhigsten Naechte unsere gesamten Reise!)
Etwas weiter in der Stadt gab es eine Ansammlung von Tempeln, die in ein Granitplateau hineingeschlagen wurden. Viele wirkten unfertig und waren wirr verstreut. Es gab Stufen im Felsen, die nirgendwo hinfuehrten und Steinbrocken, die offensichtlich abgespalten wurden, aber nur noch in der Landschaft rumlagen. Einer von diesen ist „Krishna’s Butter Ball“ ein riesiger Steinbrocken, der heikel auf einem wellig abschuessigen Felsplateau liegt, und bei dem sich jeder fragt, warum er denn nicht runter rollt, obwohl er den Anschein erweckt, ein kleiner Stubser muesste ihn aus dem Gleichgeweicht bringen. Wider Erwarten haben auch wir ihn nicht aus seiner Lage draengen koennen 😉 (Und der Name ist immer noch unklar …)
Interessant waren auch die Fuenf Rathas im Sueden der Stadt. Rathas sind eigentlich hoelzerne Wagen, in denen die Goetterstatuen waehrend Prozessionen transportiert werden. Insofern ist der Name irrefuehrend, denn bei der kleinen Anlagen handelt es sich nicht um steinerne Abbilder von Rathas, sondern um fuenf verschiedene unfertige Tempel, an denen verschiedene Baustile ausprobiert wurden, von denen einer stilgebend fuer den suedindischen Tempelbau wurde.
Ausserdem nutzten wir unsere letzte Chance zum Baden. Beide Reisefuehrer hatten davon eher abgeraten, der Planet wegen der Felsen, der Knoff Hoff wegen der Badekultur (am besten keine Haut zeigen). Direkt noerdlich des Strandtempels badeten aber viele Europaeer, teilweise unvorteilhaft knapp im Bikini, und keiner stoerte sich. Also zogen wir auch unsere Badeklamotten an und sprangen ins Wasser. Das war mit der beste Strand, den wir hier in Indien hatten. Der Sand war relativ sauber, es ging gemuetlich nach unten im Wasser, die Wellen waren angenehm dosiert und vor uns schwammen immer wieder Fische durch die Wellenberge – einfach toll!

Heute sind wir in Kanchipuram, unserer vorletzten Station. Heute Abend geht es nach Chennai (Madras) von wo aus wir heim fliegen werden. Momentan sitzen wir im Internetcafe, weil alle Tempel Mittagspause haben (12:30 bis 16:00 Uhr, wieso bloss). Am Vormittag haben wir vier Tempel gesehen, jetzt steht noch einer aus. Im Vergleich zu den vorherigen Tagen sind die Tempel nett, bieten aber nicht mehr allzu viel Neues, eher Variationen. Die Gopurams sind fast saemtlich einfarbig, und der einzige farbige bis jetzt war mal wieder verhuellt 🙁
Schick ist es trotzdem noch, beeindruckend bleibt weiterhin das bunte Treiben im Tempel, die Prozessionen, die vielen Glaeubigen und Pilger und das bunte Treiben. Wir haben uns gleich noch mit ein paar lustigen Bildern von Ganesha und Hanuman eingedeckt, die wir irgendwo aufhaengen werden 🙂

Nu denn bis Sonntag in alter Frische zu Hause 🙂

CC BY-NC-SA 4.0 Tempel, Tempel und ein wenig Strand :) von Christian Gierds ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

2 Gedanken zu „Tempel, Tempel und ein wenig Strand :)“

  1. Hallo,

    es ist Zeit vergangen und Ihr seid wieder im Alltag angekommen. Es war schön so viele Dinge aus der Entfernung mitzuerleben. Viele Erfahrungen in der Fremde bringen Euch bestimmt voran und die Erfahrungen lassen Euch bestimmt auch wieder den Alltag besser verstehen.

    Wir sind froh, dass Ihr wieder gesund zu Hause seid. Jetzt drücken wir Euch wieder die Daumen für die berufliche Entwicklung und alles Andere.

    Alles Gute

    Ich-AG und B-Treff

  2. ähm…also ein Butterball ist offenbar ein Babytruthan, der nach amerikanischer Tradition gezüchtet und zubereitet wird…so aus verschiedenen Seiten im Netz. Soll wohl gaaaanz toll sen. *schulterzuck* Viel gruseliger ist natürlich die Petaseite zum Thema. Nichts für ganz schwache Nerven.
    …Also wäre das Krishnas gestopfte Weihnachtsgans oder so ähnlich 😉

    Sonst vielen dank für die letzten Eindrücke, wenn auch mit weniger Photos. Aber das wird schon wieder. Hat sich schon rausgestellt, was an der Kamera kaputt ist?

    Willkommen wieder zu Hause! Und weil Ihr ja gerade so im Reisefieber seid…habt Ihr schon die nächste vorbereitet ;)?

    Bin gespannt auf alle Berichte, Photos und was Ihr sonst noch zeigen wollt.

    Liebe Grüße,
    xi

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