Auf der Pirsch, auf dem Boot, auf dem Tempel

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Seit Mysore und somit dem letzten Eintrag hier ist ja schon etwas Zeit vergangen, aber die hatte es echt in sich. Neben Safaris, gab es etwas Entspannung auf einem Hausboot, und wieder super tolle Tempel.

Zuerst gab es aber einen kleinen Rueckschlag. Meine Kamera macht ein wenig schlapp … der eine Akku ist komplett tot, der andere geht eingermassen, scheint sich aber teilweise auch zu entladen, obwohl die Kamera aus ist. Daher habe ich zwischendurch gar keine Bilder 🙁 Momentan geht es, wenn ich den verbliebenen Akku zwischen den Fotos immer raus nehme, was fuer Schnappschuesse natuerlich echt der Killer ist.

Aber wie ging es mit der Reise weiter … Von Mysore ging es nach Kochi (oder Cochin, die Nester im Sueden haben oft mindestens zwei Schreibweisen, die oft beide verstanden werden). Dieses kleine Nest sollte angeblich stark portugiesisch gepraegt sein. Allerdings gab es dort ausser einer Basilika und einer Kirche nicht viel, was an die ehemalige Kolonialmacht erinnern wuerde. Die Haeuser und Gassen wirken doch eher indisch, und leider macht sich fast ueberall in der Stadt ein gewisser Gestank breit, da ueberall kleine (oder groessere) Abwasserkanaele sind, in denen sich Muell und eine seltsame graue Bruehe sammelt.

Basilika in Cochi
Basilika in Cochi
Chinesische Fischernetze
Chinesische Fischernetze
Cochi
Cochi

Heileit war abends die Zeit an den Chinesischen Fischernetzen, zuerst haben wir einem Rudel Delfinen zugeschaut, die in der Naehe Fische gejagt haben, danach haben wir den Sonnenuntergang bei super schoener Atmosphaere genossen.

Fischernetz mit Sonnenuntergang
Fischernetz mit Sonnenuntergang

Nach einer Nacht verliessen wir die Backwaters, die sich um Cochi und durch grosse Teile des Bundesstaates Kerala erstrecken, erstmal wieder, um dem Periyar Wild Life Sanctuary einen Besuch abzustatten. Nach unseren Erfahrungen in Sasan Gir waren wir gespannt, wie sich hier der Tourismus auf die Natur und die Geschaeftemacherei auswirken wuerde. Der Park an sich gilt als einer der groessten und bekanntesten Indiens.

Daher hatten wir uns auch ganze drei Tage Zeit genommen, um das Wildleben Indiens dort hoffentlich ganz nah zu erleben.

Fuer den ersten Tag hatten wir eine Safari gebucht, die aus Jeep fahren, einem Jungle Walk und einer Bootstour bestehen sollte. Von dieser Tagestour waren wir leider etwas enttaeuscht … nachdem wir um fuenf aufgestanden waren, fuhren wir lang erstmal nur Strasse, um dann im Reservat selbst immer mindestens ein oder zwei andere Jeeps bei uns zu haben. Da bleiben die Tiere natuerlich lieber irgendwo, wo es ruhig ist. Entsprechend viel haben wir gesehen (sehr lustig, wir hatten drei dauerkiffende Italiener bei uns im Jeep, die erfreut „Pollo, Pollo, Pollo!!“ riefen, als wir ein Wildhuhn sahen.
Nach dem Fruehstueck ging es auf den Jungle Walk. Das war schon eher nach unserem Geschmack, weil wir uns in einer kleineren Gruppe langsam und ruhig durch den Wald bewegten. Allein gesehen haben wir ausser ein paar Schmetterlingen und Eidechsen nichts.
Die Bootstour nach dem Mittag war dann der Lacher schlecht hin, auf einem kleinen See, vor unserer „Basis“ wurden wir kurz hin und her gerudert, und haben ausser Wasser, ein paar Ibissen und Reihern sowie einem Bienenschwarm (der ploetzlich ueber uns auftauchte) wieder nix gesehen.

Insofern hatten wir diese Tour abgehakt und uns auf den Abend gefreut, fuer den wir eine Borderpatrol von 22 bis 1 Uhr machen wollten. Und das hat sich echt gelohnt. Wir waren zu fuenft und hatten zwei Guides dabei, und sind entlang des Waldes in der Naehe eines Baechlein (leider auch eher Abwasserkanal) mit unseren Taschenlampen langgelaufen (und ich bin so froh, dass ich mir vor der Reise noch ne ordentlich Taschenlampe gekauft habe, sie hat jetzt fuenf Wochen mit etlichen Stromausfaellen, Hoehlen und einer 3-Stunden-Nachtwanderung durchgehalten!).
Neben dem schoenen Sternenhimmel haben wir etliche Sambarhirsche (meist die Augen), ein riesiges Stachelschwein, ein Mungo, eine Zibetkatze und zum Schluss eine supersuesse Eule, die uns mit ihren grossen Augen anschaute, und wohl wissen wollte, wer sie da in ihrer Nachtruhe stoerte 🙂

Am naechste Tag war wieder Safari angesagt, diesmal aber komplett zu Fuss. Wir hatten auch drei faehige Guides dabei, der Oberschlumpf sogar mit Regenschirm (schwarz), mit dem er sich gegen die Sonne schuetzte. Und dieser Tag hat sich echt gelohnt. Nicht nur waren die vier Damen aus Leipzig, die uns noch begleiteten endlich mal halbwegs normal, sondern die Guides bewiesen auch ihre Faehigkeiten. Ganze vier Mal haben wir Elefanten gesehen (zuerst nur ein Hinterteil mit Schwanz, dann eine kleine Gruppe mit Kalb, dann einen Bullen, und zum Schluss noch eine grosse Gruppe, die uns sogar Zwang, einen anderen Weg zu nehmen). Die Wanderung fuehrt uns entlang der Elefantenpfade, die ueberraschend eng, verschlungen und vor allem steil waren (und ja, haben sie nicht nur erzaehlt, die Elefanten laufen da wirklich lang, lag naemlich Kacke da 😉 ). Auch die zahlreichen Planzen bekamen wir erklaert (die Gewuerze kannten wir zum Teil ja schon, aber wir haben drei Sorten Kaffee gesehen, Robusta, Arabica und Liberia). Neben Schmetterlingen und riesigen Eidechsen (1 Meter lang!) ist Ela beinahe noch auf eine Schlange getreten. Diese hat sich dann aber sehr schnell aus dem Staub gemacht. Neben einem schicken Huegel mit toller Aussicht sind wir auch am Periyar-Stausee vorbeigekommen, der sich in vielen eher schmalen Armen zwischen den einzelnen Erhebungen erstreckt.

Am Abend haben wir uns etwas angeschaut, was erstmal etwas seltsam klang. Vom Dach unseres Hotels (Green View) aus sollte man angeblich abends immer etwa um die gleiche Zeit (18:40) eine riesige Prossezion von Fledermaeusen sehen koennen. Und tatsaechlichk, die Sonne war fast weg, da kamen die ersten. Und es wurden immer mehr, mehrere Hundert waren es sicherlich. Sehr beeindruckend, wie die Fledermaeuse in ihrem etwas schlacksigen Stil ueber uns hinwegflogen.

Viele Fledermaeuse
Viele Fledermaeuse

Am naechsten Morgen wollten wir uns noch den Stausee etwas in Ruhe anschauen. Allerdings artete der Weg zum Bootssteg in eine Rallye aus (ich wusste nicht, das Rikschas so flink sein koennen), weil jeder zuerst da sein wollte, um Tickets zu bekommen. Und auch auf dem See fuhren viele Motorboote zusammen, sodass die Chance, etwas zu sehen sehr gering waren. Immerhin war das Licht kurz nach Sonnenaufgang schoen und eine Otterfamilie liess sich nicht allzu sehr stoeren.
Den Tag nutzten wir noch zum Ausruhen und sichern unserer Bilder, bevor wir abends nochmal Fledermaeuse anschauen waren, und zum erneuten Nachtwandern wollten. Der Guide war der vom Vortag mit dem Regenschirm, er hat uns sogar wiedererkannt 🙂 Diesmal haben wir richtig viele Sambarhirsche gesehen, auch vom Nahen, wieder ein Stachelschwein, ein Zibet von Nahem, einen Hasen und wieder die tolle Eule.

Teeplanze und - plantage beim Periyar
Teeplanze und – plantage beim Periyar

Tags darauf ging es zurueck in die Backwater, wo uns ein Hausboot erwartete, dass wir auf dem Weg in den Periyar bereits gebucht hatten. Auf dem Boot, dessen Aufbau aus geflochtenem Holz war, hatten wir ein ordentliches Zimmer fuer uns, und drei Leute, die das Boot steuerten und uns die Mahlzeiten zubereiteten. Abgesehen davon, dass wir ueberwiegend die grossen Kanaele abgefahren sind, die nicht allzu abwechlungsreich sind (trotzdem schoen), konnten wir mal 22 Stunden so richtig ausspannen und einfach nur die Natur geniessen. Ela hat sich zum Abendbrot noch eine Tiger Prawn gegoennt, eine recht grosse Garnele mit einem blauen Arm.

Backwaters vom Hausboot aus
Backwaters vom Hausboot aus
Tiger Prawn
Tiger Prawn
Sonnenuntergang in den Backwaters
Sonnenuntergang in den Backwaters

Unsere letzte Station in den Backwaters stellte Kollam da. Auf einer Kanutour wollten wir nochmal richtig ruhig die Natur entdecken. Und wir wurden nicht enttaeuscht. Die Fahrt zum Startpunkt zog sich zwar eine Stunde hin, dafuer kamen wir zum kleinen, engen und ruhigen Kanaelen. Es war alles derart winzig angelegt, dass wir beim durchfahren der Bruecken die Koepfe einziehen mussten. Neben Komoranen, Eisvoegeln, Reihern, Enten und einer Wasserschlange, haben wir Kokospalmen, Erdnussbaeume, Pfeffer, Ananas und noch so einiges anderes gesehen. Gerade bei den Tieren war es toll, dass wir so lautlos waren, weil sie so lang sitzen blieben. Ausserdem wurde uns gezeigt, wir aus der Kokosnussummantelung Seile hergestellt werden.

Kanal
Kanal
Kormoran
Kormoran

In Tiruvanathapuram begann dann unsere Tempeltour durch den Sueden. Die Tempel in diesem Teil des Landes zeichnen sich in der Regel durch hohe, reich verzierte und oft bunt bemalte Eingangstuerme aus. Leider sind die Hindus hier oft auch nicht mehr ganz so offen (zumindest die Priester), denn die Heiligtuemer darf man als Nicht-Hindu hier nur selten betreten. So war der Tempel in Tiru dann auch schnell abgehakt und wir schauten uns stattdessen den Puthe Maliga Palace an, bei dem vor allem das Holzdach mit seinem Verzierungen und die Holzdecken beeindruckten.
Die Stadt hatte dann noch ein paar nette Kolonialbauten und einen Zoo zu bieten, war sonst aber eher uebersichtlich, weshalb wir nachmittags ein letztes Mal an der Westkueste zum Baden gefahren sind, nach Kovalam.

Gopuram in Tiru
Gopuram in Tiru
Secretary Building
Secretary Building
Auch im Zoo angekettet, Elefanten in Indien
Auch im Zoo angekettet, Elefanten in Indien

Am Abend fuhren wir nach Madurai weiter, wo uns am naechsten Morgen ein Tempel mit wunderschoenen, teilweise ueber 60 Meter hohen Gopurams erwarten sollte. Um so groesser war der Schock, als diese saemtlichst verhuellt waren. Anscheinend erneuern sie gerade die Bemalung (die per Volksentscheid beschlossen wurde, sonst waeren die Tuerme einfarbig), die uns doch besonders interessiert hat. So konnten wir lediglich die Groesse wuerdigen. Ab und zu konnte man durch ein Luecke etwas von der Pracht erahnen und im Tempelinneren wurden gerade die Decken und Pfeiler neu gestrichen und bemalt, was auch toll aussah. Die Atmosphaere in den Tempel ist schon echt toll, lebendig, Hochzeitspaare kommen hier her, um sich einfach fotografieren zu lassen, und ueberall wuseln Glaeubige rum. Als Unglaeubiger haben wir es hier im Sueden leider teilweise schwer, weil wir nicht ins Sanktum duerfen, die teilweise echt toll gestaltet sein sollen.

Verhuellter Gopuram
Verhuellter Gopuram
Deckenbemalung
Deckenbemalung

Immerhin kann man sich noch vom Tempelelefanten segnen lassen … man gibt ihm eine Muenze in den Ruessel und mit der Ruesselspitze klopft er einem dann auf den Kopf 🙂
Nachmittags waren wir im Nayak-Palast, von dem zwar nicht mehr viel erhalten ist, der aber einige nette Motive zu bieten hat.

Ela und die Kleinen im Nayak-Palast
Ela und die Kleinen im Nayak-Palast

Der Tag in Trichy (Tiruchirapalli) brachte dann endlich tolle Gopurams, zuerst am Srirangamtempel (mit einem 73 Meter hohen Turm), und dann noch an einem kleineren Tempel. Und hier gab es auch noch den Rock Fort Tempel, der etliche Stufen hoch auf einem Granitfelsen sitzt und einen tollen Blick auf die restlichen Tempel bietet.

73 m schicker Gopuram
73 m schicker Gopuram
Felsentempel
Felsentempel
Blick nach Srirangam
Blick nach Srirangam

Mittlerweile sind wir ueber Tanjore nach Chidambaram gelangt, von wo aus wir uns gleich nach Pondicherry auf den Weg machen werden. Aber mehr dazu in einem naechsten Eintrag.

Bis dahin, am 1.2. geht es ja schon wieder zurueck, um 13:50 werden wir aus London kommend in Tegel landen und so langsam freuen uns wir doch auf die Heimat und etwas gewohntere Gepflogenheiten und Annehmlichkeiten (Duschen, wann ich will, das wird toll!).

Bis dahin, Chris

CC BY-NC-SA 4.0 Auf der Pirsch, auf dem Boot, auf dem Tempel von Christian Gierds ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

3 Gedanken zu „Auf der Pirsch, auf dem Boot, auf dem Tempel“

  1. Hallo lieber Christian und liebe Ela,

    es ist schön wieder eine Etappe Eurer Reise durch Deine Beschreibungen und die Bilder nacherleben zu können. Wir hoffen für Euch aber auch für uns, dass der zweite Akku noch bis zum Schluss durchhält und Du weiter viele und interessante Fotos machen kannst. Könnte ein Tribut an die hohe Luftfeuchtigkeit sein.

    Die Stimmung bei den Sonnenuntergängen am Meer ist immer etwas besonderes. Sie entschädigen auch für so manche Anstrengung am Tag. Toll war bestimmt auch die Hausbootfahrt. Neben Entspannung, gutem Essen auch noch so nah die Natur zu sehen ist schon etwas besonderes. Gerade darauf könnten wir schon neidische werden. Und immer wieder die Berichte über gut geführte Touren in den Wildparks.
    Lustig ist auch der pünktliche Vampirflug den Ihr vom Hotel aus gesehen habt. Wir haben ja hier immer mal nur vereinzelt einige Fledermäuse gesehen.
    Toll sind ja die Eidechsen. Auf Madeira hatten wir massenhaft viele, aber ganz kleine. Und 1 m lang, das ist kaum vorstellbar.

    Da Ihr jetzt in so heißen Regionen seid, wird es ja ein Temperaturschock für Euch werden. Nachts ist immer noch Frost, aber man ahnt den Frühling schon.
    Auch wenn die schöne Reise jetzt zu Ende geht, freut Euch auf ne heiße Dusche, ausreichend lange und ungezieferfreie Betten und schönes Essen am Abend.

    Auch für Dich die „Warnung“, passt bitte bei Eurer Rückreise gut auf. Das Satihs Dhawan Space Centre befindet sich nahe Chennai. Nicht dass Ihr in das falsche Flugobjekt steigt und einen kleinen Umweg fliegen müsst.

    Alles Liebe und Gute für Euch beide!

    Ich-AG und B-Treff

  2. Na Ihr beiden Wandersleut, ihr habt ja wirklich viel erlebt.
    Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Am Wochenende war Julia Roberts + Mann in Indien (TM-Tempel).
    Ach und wir haben eure Karte bekommen. Das hat ich nicht gedacht, dass die noch vor Euch ankommt.
    Meine Erkältung ist mitlerweile auch überwunden und der Schnee ist weg, aber es ist schon wieder soooo bitter kalt geworden. Mama und Papa bringen eure Jacken mit, die braucht ihr auch;-).
    Ich freue mich schon riesig auf eure Fotos.
    Alles Liebe! Hagi + Hild

  3. Oh Chris, ich bin begeistert. Du hast genau das photographiert, was ich wissen wollte (Tiger Prawn) und noch ein paar Naturparkbilder mit beigelegt. Großartig, großartig! Ich sagte ja bereits, dass wir uns die bald ansehen müssen, oder? Nur Kormorane hättest Du nicht photographieren müssen, die gibt es auch am Hauptbahnhof ;).

    Ach was ich noch fragen wollte und ehe ich es zum entsprechenden sitin wieder vergesse: Warum gibt es da chinesische Fischernetze? Gab es da eine chinesische Kolonie oder bezeichnet das im allegemeinen die Konstruktion dieser Art von Netzen?

    In diesem Sinne mit vielen Fragen im Kopf,
    xi

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